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Der Himmel ist rosa. Die Nachrichten sind es nicht.

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Heute Früh stand ich beim Zähneputzen am Fenster und schaute in einen frühmorgendlichen zartrosa Himmel. Wunderschön war das. Gleichzeitig liefen im Radio die Nachrichten.

Nächster Beitrag: Donald Trump zu KI. Nein, die KI stellt kein Risiko mehr dar, das haben ihm die Tech Bros glaubhaft versichert. Ohnehin kämen die Warnungen rund um KI von denselben Menschen, die vor der angeblich menschengemachten Klimakrise warnen.

Crash, Boom, Bang. Die zartrosa Stimmung war plötzlich grantig-Rot mit schwarzen Blitzen. Wie, bitte, wie kann einer der mächtigsten Menschen der Welt so fahrlässig mit realen Risiken umgehen?!

Vielleicht kennst du solche Momente. Eine Nachricht trifft dich heftig, und plötzlich sind da Wut, Erschöpfung und dieses zehrende Gefühl: was soll ich dazu überhaupt noch sagen? Diese lauten, falschen, zynischen Sätze können einem ganz schön den Wind aus den Segeln nehmen.

Und dann kam mir ein Webinar in den Sinn, das ich vor Kurzem gehalten habe: Resilienz in unsicheren Zeiten. Dort gab es folgenden roten Faden: Einordnen. Verbinden. Wirksam werden. Das ist keine Zauberformel, mit der die Welt sofort in Ordnung kommt. Aber es sind drei Fragen, die dabei helfen können, einen klaren Kopf und ein offenes Herz zu behalten.

Einordnen: Was weiß ich wirklich?

Wenn mich eine Aussage sprachlos macht, muss ich nicht sofort die perfekte Antwort parat haben, auch wenn ich das natürlich sehr gern hätte. Trotzdem, ich kann erst einmal trennen: Was wurde tatsächlich gesagt? Was ist belegt? Und was löst es in mir aus? Meine Wut ist real. Sie ist aber nicht meine einzige Informationsquelle.

Das heißt nicht, Desinformation achselzuckend stehen zu lassen. Und ich überlasse ihr auch nicht meine ganze Aufmerksamkeit. Ich kann tief durchatmen, meine Gedanken sortieren, ggf. verlässliche Quellen zur Aussage prüfen und aktiv entscheiden, ob dieses Gespräch gerade meine Energie wert ist. Der Leitfaden von klimaaktiv zur Klimakommunikation empfiehlt ebenfalls, sich nicht in nervenaufreibenden Faktenschlachten zu verlieren und die eigene Botschaft im Blick zu behalten.

Verbinden: Wer ist noch da?

Die lautesten Stimmen sind nicht immer die meisten. Manchmal fühlt sich ein Gespräch über Klimaschutz an wie ein Streit zwischen zwei Lagern, während der Großteil der Menschen dazwischen müde, unsicher oder schlicht mit ihrem Alltag beschäftigt ist. Forschung zeigt aber, dass Menschen die Bereitschaft anderer zum Klimaschutz deutlich unterschätzen.

Verbinden bedeutet nicht, jede Behauptung um des lieben Friendens willen unwidersprochen zu lassen. Es bedeutet, im Gespräch zu unterscheiden: Will mein Gegenüber wirklich verstehen? Oder soll ich nur in einen Schlagabtausch gezogen werden? Wo ein Gespräch möglich ist, hilft eine ehrliche Frage meistens mehr als das nächste Gegenargument: „Was macht dir an dieser Veränderung Sorgen?“ Oder: „Was wäre aus deiner Sicht ein guter erster Schritt?“

Und wenn kein Gespräch möglich ist? Dann darf ich ein Gespräch auch wertschätzend beenden mit „Du, ich sehe, wir kommen da gerade nicht weiter. Wollen wir das vertagen?“. Denn mit einem Streitgespräch helfe ich dem Klima auch nicht weiter. Und ich kann mich den Menschen zuwenden, mit denen ich gemeinsam etwas bewegen kann.

silhouette of two hands connect puzzle together
Umrisse von zwei Händen, die zwei Puzzleteile miteinder verbinden. Sonnenschein im Hintergrund.
(c) Envato, leungchopan
Wirksam werden: Was ist der nächste Schritt?

Streitgespräche, Nachrichten etc. können ein Gefühl von Ohnmacht hinterlassen. Wie komme ich nun wieder in die Handlungsfähigkeit? Mein nächster Schritt muss nicht so groß sein wie das Problem. Puh. Vielleicht spreche ich mit einer Freundin darüber, wie es uns gerade geht. Oder ich unterstütze eine Initiative vor Ort, bringe im nächsten Meeting eine gute Frage ein und schaffe Raum für ein Klimagespräch, bei dem Menschen einander wirklich zuhören.

Natürlich lösen wir die Klimakrise mit diesen kleinen privaten Gesten nicht. Wir brauchen politische und strukturelle Veränderungen, keine Frage. Diese Veränderungen entstehen durch gemeinsames Handeln, nämlich dort, wo Menschen Verbindung und Wirksamkeit erfahren. Forschung zu gemeinschaftlicher Resilienz beschreibt genau diese kollektive Handlungsfähigkeit als wichtige Ressource.

Heute Früh habe ich schließlich das Radio ausgeschaltet und noch einmal aus dem Fenster gesehen. Nicht, weil die Nachrichten egal gewesen wären. Sondern weil ich beides wahrnehmen wollte: den Ärger über das Gehörte und diesen wunderschönen Himmel. Vielleicht beginnt Resilienz manchmal genauso. Nicht damit, dass uns alles kaltlässt, sondern damit, dass wir uns berühren lassen, ohne gleich alle viere von uns zu strecken.

Weiteführende Hinweise:
  • Buch: Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen. Link
  • Podcast: Zuversicht trotz Klimakrise: Wie wir neue Hoffnung schöpfen können. Link
  • Video: Klimakommunikation. Wie wir die Lücke zwischen Wissen und Handeln überwinden. Link
  • Podcast: Future on Air. Wie viel kann Aktivismus wirklich ausmachen? Link

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